Das neue Jahr 2010 begrĂŒĂte ich gemeinsam mit zwei lieben Menschen in Rotterdam. Wir wollten einfach mal raus aus unserer Stadt und in ein anderes Land, auch wenn es nur kurz sein sollte. Bereits vor Jahren (5 oder 6?) war ich einmal in Rotterdam und war begeistert von der Architektur dort, besonders in Erinnerung geblieben sind mir die gelben Kubus HĂ€user von Piet Blom:

Seit etwa Sommer des Jahres 2009 gibt es in diesen Kuben nun auch ein Hostel, in dem wir uns einquartierten. Angekommen am Abend des 30. Dezember befragten wir den Barkeeper nach erkundenswerten Stadtteilen. Bereits nach wenigen Minuten kamen wir auf das Thema Gentrification zu sprechen, welches wohl mittlerweile jede europĂ€ische mittel- bis groĂe Stadt erfasst hat. Ich finde es wirklich erschreckend, dass das GesprĂ€ch so schnell auf das Thema kam. Wir machten noch einen kurzen Abendspaziergang. Unser Hostel ist am Oude Haven inmitten von historischen Booten gelegen, sehr nah am Stadtzentrum. SpĂ€ter am Abend tranken wir in einem Jazz-Club leckeres hollĂ€ndisches Bier, ein weiteres im Witte-de-Aap (angeblich eine der besten Bars Europas, war aber super voll) und fanden spĂ€ter die Villa Kakelbont und wurden herzlichst in dieser wirklich netten Bar aufgenommen.

Am nĂ€chsten Tag machten wir einen ausgedehnten Spaziergang und stellten fest, dass es ausser dem groĂen Hafen und der Lage am Fluss weitere Parallelen gibt zwischen Hamburg und Rotterdam; erst ging es ĂŒber die Willemsbrug und die Maas in den SĂŒden der Stadt, man könnte auch sagen: Hafencity. Denn genauso sieht es dort aus; sehr neu und chic und als ob es ziemlich teuer wĂ€re dort zu wohnen. Weiter geht es mit der S-Bahn noch tiefer in den SĂŒden, Wilhelmsburg oder fast Harburg wĂŒrde der Hamburger sagen. Dort gibt es eher wenig zu sehen auĂer vernachlĂ€ssigtem StĂ€dtebau (kommt sowieso kein Tourist hin). Dann gingen wir durch den alten Maas-Tunnel zurĂŒck in die Stadt. Dort lieĂen wir uns noch ein wenig durch die Gegend treiben; ich war unter anderem mal wieder fasziniert davon, wie schlau in Holland die Radwege organisiert sind, davon können sich andere Stadtplaner wirklich was abgucken: die Radwege haben eine eigene kleine Strasse und sind getrennt von der Strasse und Fussweg. AuĂerdem mussten wir feststellen, daĂ die Rotterdamer doch einen gehörigen Funken Humor haben mĂŒssen, ĂŒberall in der Stadt gibt es skurrile Statuen und Kunstwerke

und ein Markenzeichen der Stadt an prominenter Stelle ist ein riesiger schwarzer Zwerg mit einem Buttplug in der Hand (wer nicht weiĂ was das ist, einfach mal googeln).

Zum Abschluss gab es noch leckere Olliebolen (groĂe heisse Schmalzkuchenkugeln). Es scheint dort eine Tradition zu sein an Silvester, diese zu essen, dazu kauften wir noch Sekt und GlĂ€ser zum spĂ€teren anstossen.
Abends gab es dann ein indisches Essen und spĂ€ter ging es wieder auf die Wilemsbrug, wo auch halb Rotterdam stand. Gemeinsam und mithilfe einer riesigen an einem Hochhaus illuminierten Uhr zĂ€hlten wir das alte Jahr aus und das neue wurde mit einem groĂen von der Stadt gesponserten Feuerwerk sowie einer begleitenden Lichtshow auf der Erasmusbrug begrĂŒĂt. Das war wirklich sehr schön!

Der Sekt war zwar zuckersĂŒss und die GlĂ€ser hatten wir auch vergessen, aber das sollte das einzige gewesen sein, was auf der Reise schief ging. SpĂ€ter kehrten wir erneut im Kakelbont ein und wurden wiederum herzlich begrĂŒĂt. Zum Abschluss wollten wir eigentlich in den Watt Club, der mich durch sein Konzept begeistert hat. Man kann es auf der Webseite gut nachlesen, ein nachhaltig agierender Club ist das, und sie erzeugen einen Teil der Energie durch bewegliche Platten auf dem Dancefloor. Wirklich toll, aber der Club war voll und wir kamen nicht mehr rein. Ich werde da irgendwann nochmal hin um mir das anzuschauen, wenn es nicht so voll ist.
Den Abend beschlossen wir in einer Kneipe in der Innenstadt namens Voigt mit sehr freundlichen HollÀndern. Und alle die wir trafen, kannten Hamburg, haben da schon mal gelebt oder gearbeitet oder zumindest Freunde dort.
Am nĂ€chsten Tag wurde erstmal hĂŒbsch ausgeschlafen und ein Spaziergang bei strahlendem Sonnenschein gemacht. Leider gab es keine Möglichkeit eine Hafenrundfahrt zu machen, 1. Januar eben. Wie sich herausstellte, gibt es in R-Dam allerdings Wassertaxen, die einem vom Standort (muss schon ein Anleger am Fluss sein), zu einem gewĂŒnschten anderen Standort bringen.
Man muss nur die Nummer am Pier anrufen und in wenigen Minuten ist das Taxi da. Unser Fahrer war - natĂŒrlich - mal Barkassenfahrer in Hamburg, sehr amĂŒsant. Und: Wassertaxi fahren ist toll! Aber auch ein bisschen teuer. Zum Schluss gab es dann noch die obligatorische WindmĂŒhle zu sehen:

Der Abend endete bei einem netten Italiener und einem Lach-Anfall beim anschauen der bereits geschossenen Fotos.
Den Abreisetag verbrachten wir morgens im Maritiem-Museum, was ganz in Ordnung ist fĂŒr einen verregneten Tag, das Museumsschiff hingegen ist höchst interessant, es wird gezeigt, wie das Leben auf Ăberseeschiffen vor ungefĂ€hr 150 Jahren aussah. Die Kabinen und sanitĂ€ren Anlagen verraten eine ganze Menge. Als krönenden Abschluss besuchten wir den Wochenmarkt und ich kaufte viel zu viel aber Ă€uĂerst gĂŒnstigen hollĂ€ndischen KĂ€se und ein paar Tulpen. Hey.
Es war wirklich ein herrlicher Kurzurlaub! TschĂŒss Rotterdam und bis bald!

Und wenn die Trends aus Holland rĂŒberschwappen sollten können wir uns auf etwas gefasst machen, dort war in den Kneipen und Discos nĂ€mlich eine Art von Musik gerade sehr angesagt: EuroDance.
(mehr Bilder gibtÂŽs auf Flickr)