Sorry, ich war zu faul zum bloggen, und dann fiel auch noch das Internet aus. Hier also noch eine letzte Geschichte:
Letztes Wochenende war ich zu Gast bei einer indischen Familie in Kochin. Die Tochter hatte ich im Zug kennengelernt, eine junge Krankenschwester, dann gleich am Bahnhof die Eltern, und sie luden mich auf einige der folgenden Tage zu sich ein. Schon wieder ein Abenteuer! Die Familie war wirklich sehr nett, katholisch, und wohnte fast in den Backwaters (heiss, schwuel, feucht). Ich wurde aufs herzlichste empfangen, jedoch warteten sie zuerst am falschen Bahnhof auf mich und ich hatte schon Schrecken, sie wuerden nicht kommen um mich abzuholen. Und sie wiederum dachten, ich haette nicht den Mumm, eine indische Familie zu besuchen....Die Familie gehoerte schon zum Mittelstand, sie hatten ein ordentlich grosses Haus mit riesigen Grundstueck und ein Auto (recht selten). Und wie es wohl so ueblich ist, egal in welcher Kultur, man als vollkommen fremder, aufregender Gast aus einer voellig anderen Ecke der Welt kommt, wird man erstmal vollgestopft mit Nahrungsmitteln, die Mutter lange in der Kueche zubereitet hat. Will heissen: ich musste essen was das Zeug haelt. Zum Glueck hatte ich die ganze Reise ueber - und auch jetzt noch - einen recht stabilen Magen-Darm-Trakt und von dieser Seite her wenig zu befuerchten. Ging also alles gut. Wir machten 2 kleine Ausfluege zu einem Leuchtturm (255 Stufen), und einem Strand, der unter Indern seeeehr beliebt sein muss. Alle sagten immer nur: ah, famous beach, famous Cherai Beach. Dieser famous beach war schon mehrere Kilometer lang, das ist wahr, allerdings nur etwa 3 Meter breit, und dieser winzige Landstreifen war bevoelkert von einer gefuehlten Million Indern (einige Tausend waren das sicher), von denen die meisten sich wieder sofort den Kopf verrenkten als in an den Strand gelatscht kam, kleine Kinder hauen sich in die Rippen und drehen sich gegenseitig ihre Koepfe zu mir, um einen Blick oder ein Laecheln zu erhaschen, oder mir die Hand zu geben. Ich habe in einer Stunde am Strand noch 4 weitere weisse Menschen gezaehlt. Verrueckte Welt, man fuehlt sich ein wenig verloren, einsam, und sofort mit den anderen Hellhaeutigen verbunden, egal welche Partei sie in der Heimat waehlen moegen. Es gab geroestete Erdnuesse auf Zeitungspapier und danach ging es nach Hause zum: richtig: Essen. Das Essen wurde auf Bananenblaettern serviert, und wir assen mit den Haenden (uebrigens essen sie manchmal schon mit der linken Hand, naemlich wenn die rechte bereits zu klebrig ist, etwa fuer den Nachtisch). Sie waren total erstaunt, dass ich die scharfen Sachen auch essen kann, und schauten mich unglaeubig waehrend des Essens an. Der naechste Tag war wenig spektakulaer, und abends fuhr ich mit dem Zug wieder ins Hotel (3,5 Stunden; that's the fast train, amazing, isn't it?).
Eine indische Familie in Kerala denkt jetzt also, dass Deutsche:
gerne mit den Haenden und von Bananenblaettern essen.
scharfes Essen vertragen,
lange schlafen,
gut englisch sprechen,
relativ gross sind (ich bin ein Riese hier)
genuegsam und freundlich sind,
und dass man in Deutschland aus Liebe heiratet oder wenigstens zusammen ist.
Ich hatte mit der Tochter ein langes Gespraech ueber das Thema Liebe, denn ihr steht noch das Schicksal der arrangierten Heirat bevor, auf das sie sich wenig freut. Ein huebsches, intelligentes Maedchen, 22 Jahre jung.
So ist die Welt.
Und ich hingegen weiss, dass der Inder sehr freundlich und gastfreundlich sein kann, dass man hier gut und viel essen kann, dass man generell recht einfach lebt und wenig besitzt, und wiederum:
dass Menschen und ihre Wuensche auf der ganzen Welt gleich sind.
So siehts aus.