
Mein erstes Festival dieses Jahr war also das Hurricane in Scheesel, und ich glaube es war gleichzeitig mein letztes Rockfestival. Jedenfalls mit zelten und so, als Tagesgast vielleicht mal wieder. Gerne würde ich mehrere Fazitte (Faziti, Fazits?)
ziehen, aber diese Worte gibt es nicht, bleibt mir also nur meine Begegnungen
und Beobachtungen hier festzuhalten:
Was sonst eine schnell befahrene
Landstrasse darstellt, wandelte sich vor
gut 3 Wochen in eine Zeltstadt sondergleichen, ca. 55.000 Menschen bevölkerten
ein Wochenende lang die Westheide bei Scheesel.
Die Wühl- und Feldmäuse unter unserem Zelt wundern sich sicher einmal im
Jahr kräftig, wieso der von ihnen sonst so zuverlässig nutzbare Eingang auf einem
Male mit Plastikplanen verschlossen bleibt.
Auch wir wunderten uns ordentlich als während des Schlafes sich mehrfach
der Zeltboden hob und die Mäuse um Ausgang qäukten. Ein etwas unebhalgliches
Gefühl machte sich breit, aber Gewinner bleib zum Glück der Zeltunterboden und
nicht die Nagekraft der kleinen, possierlichen Tierchen. Pech gehabt für ein
Wochenende, kleine Mäuse.
Am ersten Abend schaute ich mir allein
im Zelt meine temporäre Lieblingsband aus Norwegen namens Datarock an. Dieser neue Musikstil, auch gerne mal
Raverock genannt, gefällt mir gerade richtig gut, besonders live. Die Jungs rockten also in roten
Jogginganzügen und machten eine prima Party. Bin schon gespannt auf das nächste
Album. Am späteren Abend schlug mir beim
Beastie Boys Konzert gleich die – wohl vorwiegend dem Alkohol-Konsum
geschuldete – doch recht agressive Stimmung entgegen als ein 2 Meter Mann mich
agressiv zur Seite schubste und lauthals rumkrakehlte als ich mich wehrte. Na gut, es bleib zwar die einzige unangenehme
körperliche Erfahrung, beeindruckte mich aber dennoch nachhaltig. Die Band war übrigens super, obwohl
mittlerweile auch schon gestandene Herren in schicken Anzügen, nur die Stimung
wollte nicht so recht überschwappen.
Egal. Ab ins Bett, Wühlmäuse
horchen. Doch nicht nur das. Auf dem Hurricane sind Sound-Systeme auf den
Zeltplätzen nach massiven Wiederständen im letzten Jahr nun wieder
uneingeschränkt erlaubt. Was für ein Horror, an Schlaf war nicht zu
denken; erst die Motorbooty Party im
Zelt und ultralaut bis morgens um 6, und sofort danach die Heimkehrer mit ihrer
Anlage im Anhänger(oder sonstwo) die zur After-After-Party voll aufgedreht
wird.
Irgendwann kann man dann nicht mehr
liegen und muss raus aus dem Zelt und den Tag mit nem Frühstücksbier begrüssen,
um die Laune zu heben. Ich treffe mich
mit meinen lieben Nachbarn vom Kiez zu dem Konzert von Virginia Jetzt, naja,
ist nicht so mein Fall. Danach ist
erstmal Pause und wir klappern die Zeltstadt ab, besuchen Leute mit einer
erstaunlichen Kümmerling Sammlung und Markus mit seinem Bus, der ebenfalls
Kümerling darreicht, und spielen Trinkspiele mit den leeren Flaschen( ja, das
geht!). Irgendwann sind wir betrunken
genug und versuchen zurück aufs Gelände zu gehen, ich stosse mir irgendwo das
Bein und habe immer noch eine ordentliche Narbe, Kumpel und Freundin albern
herum und fallen sowas von auf die Nase, dass er sich die Ober- und die Unterlippe
sowie das Kinn aufreisst. Kümmerlingspiele?
So schnell nicht wieder! (Die beiden sind übrigens grad in Amerika, hat
wohl doch geklappt mit der Einreise trotz der hässlichen Schrammen. Schöne Urlaubsfotos auch Euch beiden und
danke für die Karte aus NY!) Irgendwann sind wir doch auf dem Konzert-Areal
wieder angekommen, auf das man dämlicherweise keine Glas-, Plastik- oder
sonstige Flaschen mitnehmen durfte. Nur
Tetra-Packs und zweckentfremdete Katheterbeutel. Na herzlichen Dank. Ich hatte ein Mal mein Bier in einen
Kakao-Pack umgeschüttet, na gut, das ging ja gerade noch. Aber das Bier in so
eine Wasser-Blase umzufüllen und dann zu trinken geht gar nicht, null
Kohlensäure. Noch ein Grund mehr, da
nicht mehr hin zu fahren (Bier auf dem Gelände: 0,2 Becher 2,80 euronen plus 1
pfand). Irgendwie haben wir auch diesen Tag überstanden, mit einem grauenhaften
Marylin Manson Konzert übrigens, meine Güte war der schlecht, er konnte nicht singen
und rief zwischen dem was Songs sein sollten nur laut „Doitschläääänd“, naja,
und am nächsten Tag mit noch weniger Schlaf gab es dann am Sonntag tolles
Wetter, richtig gute Konzerte, wenig Matsch, Zigarettenwettdrehen (7,5 Sekunden!)
und Tagesbesucher aus Hamburg mit Wodka-Saft-Zitronentee-Drinks. Herrlich.
Den Abschluss bildet für mich das beeindruckende Konzert von Pearl Jam.
Eddie sieht wieder gut aus und hat noch ne Menge Elan und Charisma zu bieten,
vielen Dank dafür! Die Leute und ich
waren restlos begeistert, und er auch, jedenfalls sah das so aus. Dafür habe ich ein anscheinend ebenso
grandioses Konzert von Deichkind verpasst, aber so ist das Leben eben, man kann
nicht alles haben.
Mitten in der Nacht wird dann das
Zelt abgebaut, der ganze Plunder während (schon wieder) Regens in 15 Minuten
zum Zelt geschleppt, eine Stunde im Stau gestanden und nachts um 3 zu Hause
geduscht.
Was ich noch vergessen habe zu
erzählen, war der neue Festival Trend der sich deutlich manifestierte: Mega-Fon-Shouting hat die HELGA-Rufe nicht
abgelöst, sondern nur noch verstärkt. AAAAAh!
Übrigens habe ich auf dem Fest
ganze 11,80 Euro ausgegeben. Starke
Leistung wie ich finde.
Und doch noch n Fazit: Kümmerling macht
Schrammen. Merkich mir fürs nächste Mal.
Und noch einmal herzlichen Dank an
Cyco und Swantje, ohne die das ganze so nicht machbar gewesen wäre!